"Die Höhle der Löwen": Lemonist: Ein Wundermittel gegen Pestizide an Obst und Gemüse?

„Wir haben was gegen Pestizide.“ Mit diesem Slogan bewerben die Gründer*innen von Lemonist ihr Produkt, das sie heute Abend in der „Höhle der Löwen“ vorstellen. Lemonist soll Pestizide zuverlässig von Obst und Gemüse entfernen. Doch wie wirkt das Produkt und ist es überhaupt alltagstauglich? Wir haben es getestet

Wer sich gesund ernähren möchte, sollte mehrmals am Tag zu frischem Obst und Gemüse greifen. Die gängige Empfehlung lautet „5 am Tag“, also drei Portionen Gemüse und zwei Portionen Obst. Darauf weist auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hin. Doch viele konventionelle Lebensmittel sind mit Pestiziden bearbeitet. Das schmälert den positiven Effekt auf die Gesundheit, denn mit dem Essen nehmen wir die giftigen Substanzen zum Teil mit auf. Lemonist soll Abhilfe schaffen und Pestizidrückstände an Obst und Gemüse reduzieren.

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Idee und Entwicklung für Lemonist stammen von den beiden Gründer*innen Felix und Kathrin. Weil ihnen zu viele Rückstände auf frischen Lebensmitteln verbleiben, die nur mit Wasser gereinigt werden, suchten sie nach einer einfachen und effektiven Lösung. Das Ergebnis stellen sie heute Abend in der ersten Folge der neuen Staffel „Die Höhle der Löwen“ vor. Um 20:15 Uhr startet die Sendung auf VOX

Pestizide reduzieren: Das Versprechen von Lemonist

In der konventionellen Landwirtschaft werden Obst und Gemüse mit einer Vielzahl an Pestiziden bearbeitet, um Schädlinge und Krankheiten fernzuhalten. In Europa sind mehrere Hundert Pestizide zugelassen. Rückstände davon finden sich auf Lebensmitteln wieder und gelangen so über die Nahrung auch in unsere Körper. Wer sein Obst und Gemüse gründlich wäscht, kann Pestizide zum Teil entfernen. Doch mit klarem Wasser lassen sich längst nicht alle Rückstände beseitigen. Wie amerikanische Forschende herausgefunden haben, wirkt eine Lösung aus Wasser und Backnatron am besten gegen äußerliche Pestizide an Obst und Gemüse. Hier setzt auch Lemonist an: Das Produkt besteht aus Natron, Zitronensäure und Salz. Damit soll es Pestizide besonders zuverlässig reduzieren. Genau wie mit einfachem Backnatron empfehlen die Gründer*innen ein 15-minütiges Bad in einer Lösung aus Lemonist und Wasser.

Lemonist auf den ersten Blick

Lemonist kommt in einer 250-Gramm-Packung mit freundlichen Farben daher. Alle wichtigen Informationen findet man auf den ersten Blick: Das Produkt kommt mit drei Inhaltsstoffen aus (Natron, Zitronensäure und Salz). Es ist vegan und ohne Gentechnik hergestellt. Die Verpackung ist kompostierbar (nach DIN EN 13432) und eine kurze Schritt-für-Schritt-Anleitung findet sich direkt auf der Rückseite. Ebenso der Hinweis, dass sich das Produkt nicht für wasserempfindliche Sorten wie Himbeeren oder Pilze eignet. Die Transparenz gefällt uns und scheint die Anwendung leicht und unkompliziert zu machen.

Etwas irritierend sind die Warnhinweise. Demnach darf Lemonist nicht eingeatmet werden oder in Kontakt mit den Augen geraten. Sogar die Verwendung eines Gesichtsschutzes wird empfohlen. Eine Erklärung findet sich auf der Homepage von Lemonist: Für Produkte mit einem gewissen Anteil Zitronensäure sei der Warnhinweis „Verursacht schwere Augenreizung“ gesetzlich vorgeschrieben.

Lemonist aus DHDL im Alltagstest

Wir wollten wissen, wie alltagstauglich Lemonist ist und haben das DHDL-Produkt getestet. Die Verpackung lässt sich leicht öffnen, wird jedoch aufgrund ihrer Beschaffenheit etwas fransig. Wir nehmen das gern in Kauf, weil das Material kompostierbar ist. Außerdem ist die Verpackung wiederverschließbar. Der Verschluss hält auch nach mehrmaligem Öffnen gut dicht. Wir haben die Packung gedreht, geschüttelt und gedrückt, ohne dass das Pulver ausgetreten ist.

Eine geöffnete Packung Lemonist aus DHDL
Die Lemonist-Öffnung ist leicht zerfranst und das Pulver teilweise verklumpt – zwei kleine Mängel, über die wir leicht hinwegsehen können.
© GEO

Der erste Blick auf den Inhalt offenbart ein feines, weißes Pulver. Leider haben sich einige Klumpen gebildet, wie auf dem Foto oben zu sehen ist. Diese ließen sich mit dem Löffel nur schwer zerkleinern. Im Wasser lösten sie sich hingegen sofort auf. Das Pulver ist nahezu geruchslos. Gleiches gilt für das damit angemischte Wasser. Gibt man, wie empfohlen, einen Teelöffel Lemonist in einen Liter lauwarmes Wasser, färbt sich dieses leicht milchig.

Lemonist vs. klares Wasser

Um die Wirkung zu testen, haben wir verschiedenes Obst und Gemüse im Wasserbad mit Lemonist gewaschen. Laut Gebrauchsanweisung verwendet man dazu pro Liter einen Teelöffel des weißen Pulvers. Im angemischten Wasser verbleiben die Lebensmittel für 15 Minuten. Das Ganze wird gelegentlich umgerührt und im Anschluss werden die Früchte noch einmal unter klarem Wasser abgespült.

Unter folgenden Testkriterien haben wir uns Lemonist genauer angeschaut:

  • Handhabung
  • Geschmack
  • Geruch
  • Aussehen
  • Konsistenz / Frische

Wie oben bereits beschrieben, ist Lemonist leicht und unkompliziert in der Handhabung. Sie müssen allerdings etwas Zeit mitbringen. Wenn man bedenkt, dass viele Menschen ohnehin wenig Zeit und Muße zum Kochen finden, ist ein 15-minütiges Wasserbad für Obst und Gemüse nicht immer problemlos in die Kochroutine zu integrieren. Und wer einmal spontan Lust bekommt, in den leckeren Apfel aus der Obstschale zu beißen, wird sich mit Lemonist ebenfalls in Geduld üben müssen. Wer sich die 15 Minuten anders vertreiben möchte, sollte trotzdem immer wieder zum Wasserbad zurückkehren, um es umzurühren. Denn viele Lebensmittel schwimmen zum Teil über der Wasseroberfläche.

lemonist: Obst und Gemüse im Wasserbad
Lemonist im Test: Was bringt das Wasserbad mit dem weißen Pulver?
© GEO

Doch wie steht es um den Geschmack, den Geruch und das Aussehen der Früchte? Wir haben verschiedene Obst- und Gemüsesorten mit Lemonist gewaschen – darunter sowohl konventionelle als auch Bio-Produkte. Parallel haben wir die gleichen Sorten unter dem laufenden Wasserhahn ohne Lemonist gereinigt. Äußerlich ließen sich keine Unterschiede feststellen. Auch der Geruch und der Geschmack waren oft identisch. Einzig bei den konventionellen Tomaten rochen und schmeckten die ohne Lemonist gewaschenen Früchte etwas künstlicher. Auch bei der konventionell angebauten Gurke konnten wir einen leichten Unterschied feststellen: Das mit Lemonist gewaschene Stück schmeckte kaum noch nach Gurke, während das Vergleichsstück einen etwas intensiveren Geschmack hatte. Bei allen getesteten Obst- und Gemüsesorten ließ sich feststellen, dass sie nach dem lauwarmen Wasserbad weniger frisch schmeckten. Besonders auffällig war dieser Effekt beim Apfel, bei der Birne und bei der Frühlingszwiebel. Bei Obst und Rohkost ein Nachteil; wenn Sie die Lebensmittel jedoch ohnehin kochen möchten, wird der Unterschied kaum auffallen.  

All diese Erkenntnisse haben jedoch nicht direkt etwas mit den Pestizidrückständen zu tun, die Lemonist zu reduzieren verspricht. Prüfen können wir dies im Alltagstest nicht, denn die meisten Pestizide lassen sich weder schmecken noch riechen. Einen Unterschied werden vor allem Allergiker*innen bemerken. So auch der Kollege von stern.de: Der Tester reagiert empfindlich auf Pestizide an frischen Lebensmitteln und ist obendrein Pollenallergiker. Bei den getesteten Pflaumen habe er einen Unterschied spüren können, bei den Weintrauben hingegen nicht. Hier liegt allerdings die Vermutung nahe, dass es sich um eine Kreuzallergie handelt.

Warum Lemonist problematisch ist

Im Alltagstest und vor wissenschaftlichen Hintergründen kann Lemonist also durchaus bestehen. Allerdings ist das Produkt nicht ganz unproblematisch. Zwar ist die Bestrebung, Pestizide zu reduzieren und sich somit gesünder zu ernähren, wichtig und richtig. Jedoch stellt sich die Frage, ob dazu der Kauf von Bio-Lebensmitteln nicht sinnvoller ist. Denn im Ökolandbau wird zum Großteil auf künstliche Pestizide verzichtet. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass ökologisch erzeugte Produkte weitestgehend rückstandsfrei sind. „Sofern Rückstände festgestellt wurden, lagen die Gehalte überwiegend im Spurenbereich (<0,01mg/kg)“, berichtet die VZ über das Ökomonitoring 2020. Auch das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit liefert Zahlen, die für Bio-Produkte sprechen: „Im Lebensmittel- und Veterinärinstitut Oldenburg wurden im Jahr 2016 insgesamt 138 Apfelproben auf Pflanzenschutzmittelrückstände untersucht. In 13 Proben, darunter 11 Bioproben, wurden keine Rückstände nachgewiesen.“

Wer also „bio“ kauft, tut nicht nur etwas Gutes für die eigene Gesundheit. Auch die Umwelt wird weniger belastet, je mehr Verbraucher*innen von konventionellen Lebensmitteln ablassen. Lemonist sei zwar auch für Bio-Produkte geeignet, doch die Sinnhaftigkeit erschließt sich aufgrund der genannten Zahlen kaum.

Problematisch ist das Produkt also, weil es sich vornehmlich an Menschen richtet, die konventionelle Lebensmittel kaufen. Lemonist reduziert nicht nur Pestizide, sondern kann für manche Verbraucher*innen auch die Notwendigkeit schmälern, auf Bio-Produkte umzusteigen. Das steht den wichtigen Bestrebungen entgegen, die ökologische Landwirtschaft zu fördern.

Hinzu kommt, dass Rückstände von Pestiziden sich nicht nur auf den Lebensmitteln befinden. Sie dringen durch die Schale in die Frucht ein und können deshalb auch mit einer gründlichen Wäsche nicht entfernt werden. Durch die konventionelle Landwirtschaft geraten die Substanzen außerdem in die Umwelt. Wer sie mit Lemonist von der Oberfläche seines konventionell angebauten Apfels entfernt, hat also trotzdem nicht verhindert, dass die schädlichen Pestizide in der Landwirtschaft eingesetzt werden und die Natur belasten.

Fazit: Lemonist aus DHDL

Wenn es um Pestizide geht, ist Lemonist keine Lösung für das große Ganze. Fairerweise muss man aber sagen, dass das auch nicht der Anspruch des DHDL-Produkts ist. Auf der Verpackung steht klar und deutlich: „Reduziert Pestizide an Obst und Gemüse“. Lemonist macht damit keine leeren Versprechen.

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Eine bahnbrechende Erfindung ist Lemonist nicht. Vielmehr lässt es sich als altes Hausmittel im neuen Gewand beschreiben. Denn dass Backnatron (eine der drei Zutaten von Lemonist) gegen Pestizidrückstände auf Obst und Gemüse wirkt, haben Forschende bereits festgestellt. Der Vorteil gegenüber Lemonist: Backnatron gibt es in großen Vorratspackungen zu kaufen, wobei der Kilopreis in der Regel etwas günstiger ist. Es mag jedoch sein, dass die Kombination mit Zitronensäure und Salz besonders effektiv ist. Falsch machen kann man mit dem Kauf von Lemonist jedenfalls nicht viel.

Unserer Einschätzung nach lohnt sich Lemonist am ehesten für Allergiker*innen und für alle, die eine Notlösung parat haben oder bei Bio-Produkten auf Nummer sicher gehen möchten. Zwar sind diese in der Regel nicht belastet, doch es gibt Ausnahmen. „Biolandwirte wirtschaften nicht unter einer Schutzglocke, sondern in einer Umwelt, in der Pestizide leider allgegenwärtig sind. Deshalb gibt es immer mal wieder Rückstände im Spurenbereich“, berichtet Greenpeace.

Fest steht auch: Nicht jede und jeder kann es sich leisten, ausschließlich Bio-Lebensmittel zu kaufen. Manchmal fehlt auch einfach die Zeit, den Bio-Laden aufzusuchen. Oder das Angebot im Supermarkt ist begrenzt. Dann kann es beruhigend sein, ein Päckchen Lemonist im Schrank stehen zu wissen, mit dem jedenfalls oberflächliche Rückstände sicher entfernt werden können.

Ob die Gründer*innen einen Löwen oder eine Löwin überzeugen konnten, 50.000 Euro für 15 Prozent der Firmenanteile zu investieren, erfahren Sie heute Abend ab 20:15 Uhr auf VOX.

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Nachrichtenquelle: geo.de

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