Astronomie: Asteroiden: Warum ein blinder Fleck zur Gefahr werden könnte

Um die Gefahr von verheerenden Einschlägen auf die Erde zu minimieren, suchen Forschende regelmäßig mit speziellen Instrumenten nach Asteroiden. Doch die meisten Suchprogramme haben einen blinden Fleck

Vor 65 Millionen Jahren krachte ein zehn bis fünfzehn Kilometer großer Asteroid auf die Erde – und beendete das Zeitalter der Dinosaurier. Damit die Menschheit nicht irgendwann ein ähnliches Schicksal erleidet, suchen Astronomen mit speziellen Instrumenten nach Asteroiden, die der Erde gefährlich werden könnten. Doch solche Suchprogramme haben einen blinden Fleck, wie der US-amerikanische Astronom Scott Sheppard aktuell im Fachblatt „Science“ hervorhebt.

„Die Suche nach Asteroiden findet im Allgemeinen nachts statt – deshalb findet man damit Himmelskörper, die sich außerhalb der Erdumlaufbahn befinden“, erläutert Sheppard. Doch auch innerhalb der Erdbahn bewegen sich Asteroiden – und könnten plötzlich und unerwartet aus Richtung Sonne auf unseren Planeten zugeschossen kommen.

James-Webb-Teleskop

Natürlich ist das den Forschernden seit langem bekannt – nur sind Beobachtungen in Richtung Sonne schwierig. Es gibt bereits einige Fernrohre, die auf Beobachtungen in der Dämmerung spezialisiert sind – und sie haben auch tatsächlich bereits mehrere zuvor unbekannte Asteroiden entdeckt, die sich ausschließlich innerhalb der Erdbahn aufhalten.

Abschätzung der Größe eines Asteroiden schwierig

Erst im vergangen Jahr wurde damit ein Asteroid aufgespürt, der sowohl die Bahnen der Venus als auch des Merkur kreuzt. Er bewegt sich auf einer stark elliptischen Bahn und kommt der Sonne näher als jeder andere bekannte Asteroid. Der Himmelskörper mit der Katalog-Bezeichnung 2021 PH27 ist vermutlich etwa einen Kilometer groß – was für die Entdecker eine Überraschung war. Denn eigentlich hatte man innerhalb der Erdbahn nur wenige größere Asteroiden vermutet. So schnell einen davon zu entdecken, wäre ungewöhnlich. Gibt es also vielleicht im inneren Sonnensystem viel mehr großer – und damit besonders gefährlicher – Asteroiden als vermutet?

Sheppard mahnt hier zur Vorsicht: Die Abschätzung der Größe eines Asteroiden sei schwierig, 2021 PH27 könne durchaus erheblich kleiner sein und dann besser zu den bisherigen Vorhersagen passen. Gleichwohl warnt auch er davor, dass bislang der größte Teil der Asteroiden innerhalb der Erdbahn unentdeckt geblieben ist – die Abschätzung der von ihnen ausgehenden Gefahr ist deshalb schwierig.

Elemente_Ursprung aller Dinge

Es ist zwar nicht sehr wahrscheinlich, dass es dort viele Asteroiden mit mehr als einem Kilometer Größe gibt – von den Astronomen als „Planetenkiller“ bezeichnet, weil sie ländergroße Regionen total verwüsten würden und starke globale Auswirkungen hätten bis hin zum Zusammenbruch des gegenwärtigen Ökosystems. Doch selbst ein Asteroid im Größenbereich von hundert bis zweihundert Metern würde ähnlich einer großen Atombombe eine gesamte Großstadt-Region zerstören.

Enge Beobachtung weiterhin sehr wichtig

Es wäre denkbar, so argumentiert Sheppard, dass es innerhalb der Bahn des sonnennächsten Planeten Merkur ein Reservoir solcher kleineren Asteroiden gibt, Vulcanoide genannt. Solche Vulcanoide könnten durch Bahnstörungen weiter nach außen wandern und so schließlich auch die Erde bedrohen. Deshalb müsste die Suche nach Asteroiden in Sonnennähe seiner Ansicht nach nicht nur aufrecht erhalten, sondern noch ausgeweitet werden.

Asteroiden aus dem inneren Sonnensystem sind auch deshalb eine Gefahr, weil die Vorwarnzeit erheblich kürzer wäre, wenn sich ein solches Objekt tatsächlich auf Erdkurs befindet. Deshalb ist es wichtig, die Bahnen aller Asteroiden, die der Erde potenziell gefährlich werden könnten, zu bestimmen und zu überwachen. Als besonders erfolgreich erweist sich gegenwärtig dabei ein vier Meter großes Teleskop am Interamerikanischen Observatorium Cerro Tololo in Chile. Es hat bereits mehrere Objekte innerhalb der Erdbahn aufgespürt – darunter auch 2021 PH27.

Nachrichtenquelle: geo.de

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