Ökologie: Warum Wiederaufforstung der Artenvielfalt schaden kann

In tropischen Ländern werden Wälder oft mit Plantagen aufgeforstet. Das kann der Biodiversität in den angrenzenden Wäldern schaden, warnen Forscherteams 

Bäume pflanzen gilt heute als die ultimative Maßnahme gegen den Klimawandel und den ökologischen Kollaps: Im Holz speichern die Pflanzen Kohlenstoff, den sie der Luft in Form von klimaschädlichem CO2 entnehmen. Zudem bieten Bäume zahlreichen Tieren einen Lebensraum. Zumindest theoretisch.

In der Praxis können neu gepflanzte Bäume allerdings auch genau das Gegenteil bewirken. Darauf hat nun ein Forscherteam der University of Maryland, Baltimore County (UMBC) hingewiesen. Wie das Team im Fachblatt „Nature Sustainability“ berichtet, sind besonders Pflanzungen in den feuchten Tropen problematisch.

Um den nationalen Verpflichtungen zur Wiederaufforstung nachzukommen, setzen offenbar immer mehr Nationen auf Baumplantagen. Bei einer Analyse der Baumbedeckung zwischen 2000 und 2012 anhand von Satellitendaten fiel den Forschenden auf, dass das Wachstum der Wälder etwa zu gleichen Teilen auf natürliche Regeneration und auf Plantagen mit Exoten zurückzuführen ist. Fast die Hälfte – 45 Prozent – solcher „Wiederaufforstungen“ erfolgt mit Exoten wie Eukalyptus- und Kautschukbäumen oder Ölpalmen. Das bleibt nicht ohne Folgen für die Artenvielfalt im angrenzenden Wald.

90 Prozent der Plantagen in Hotspots der Artenvielfalt

Besonders problematisch: Mehr als 90 Prozent der Plantagen befinden sich in Biodiversitäts-Hotspots – wo die neu eingeführten Arten sensible Tier- und Pflanzenspezies beeinträchtigen können. In immerhin neun Prozent der zugänglichen Schutzgebiete fanden die Forschenden demnach Plantagen. Wälder: Die grüne Klimamaschine

Dass Baumplantagen die Artenvielfalt beeinflussen, zeigt eine andere, soeben erschienen Studie. Ein Team der University of Bristol und der Universidade Federal do Oeste do Pará stellte fest, dass die Vielfalt der Mistkäfer-Spezies im Wald abnimmt, je weiter man sich der Plantage nähert. Wie die Forschenden im Fachblatt „Forest Ecology and Management“ berichten, beeinflussen Eukalyptusplantagen den angrenzenden natürlichen Wald bis zu einer Tiefe von 800 Metern.

Auch in trockeneren Regionen können neu gepflanzte Bäume mehr Schaden als Nutzen bewirken, warnt das Team. Denn auch Graslandschaften und Savannen hätten einen hohen ökologischen Wert, auch wenn der nicht immer sofort ersichtlich sei. „Wenn man Bäume pflanzt, zerstört man dieses Ökosystem“, sagt Matthew Fagan, der Leiter der Studie der University of Maryland Baltimore County.

„Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass nicht alle Baumpflanzungen für das betroffene Ökosystem von Vorteil sind“, so Fagan. Bäume könnten grundsätzlich viel Gutes bewirken und dabei helfen, die Auswirkungen des Klimawandels zu bewältigen. Doch es müsse richtig gemacht werden. Der richtige Baum am richtigen Ort sei die richtige Antwort.

Nachrichtenquelle: geo.de

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