Alaska: Grizzly verfolgt Mann eine Woche lang – was hinter dem ungewöhnlichen Verhalten steckt

Er überlebte nur mit Glück: In der Wildnis Alaskas hat die US-Küstenwache einen Mann gerettet, der eine Woche lang von einem Grizzlybär verfolgt und attackiert worden war. Das Verhalten des Bären wirft Fragen auf

Ohne Handyempfang und fernab der Zivilisation harrte ein Mann in der Wildnis Alaskas eine Woche lang in einer verlassenen Bergbauhütte aus, um sich vor einem Bären zu schützen, der ihn zuvor attackiert hatte. Nach Angaben der “New York Times” hatte sich der etwa 60-Jährige seit dem 12. Juli dort aufgehalten. Laut Erzählungen des Mannes, suchte der Bär ihn eine Woche lang jede Nacht an der Hütte auf, in der er sich vor dem Tier versteckt hatte.

Nachdem der Mann nach einer Wanderung nicht in die Stadt Nome zurückgekehrt war, hatten Freunde eine Vermisstenmeldung aufgegeben. Ein Team der US-Küstenwache fand den Mann schließlich, als es mit einem Hubschrauber über dem Gebiet kreiste und ein SOS-Zeichen auf dem Dach der Behausung entdeckte. Den Piloten sagte der Mann, dass er seit Tagen nicht geschlafen habe, um den Bären fernzuhalten. In seiner Pistole hatte er zum Zeitpunkt der Rettung noch zwei Schuss Munition. Mit dieser habe er versucht, den Grizzly auf Abstand zu halten.

Dass die US-Küstenwache den Mann überhaupt gefunden hatte, war Zufall: Der Helikopter war wegen dichter Wolkenbildung etwas abseits seiner geplanten Route unterwegs.

Verhalten des Bären absolut ungewöhnlich

Warum der Grizzlybär den Mann eine Woche lang vehement verfolgte und immer wieder aufsuchte, ist unklar. Eindeutig ist allerdings, dass das Verhalten des Bären in Alaska sehr untypisch ist. Normal geprägte Bären meiden den Menschen, wenn das möglich ist.

Eine Studie der norwegischen Universität für Umwelt- und Biowissenschaften aus dem Jahr 2013 kommt zu dem Schluss, dass Braunbären Menschen bereits aus dem Weg gehen, wenn diese die Tiere vermutlich noch gar nicht bemerkt haben: die mithilfe von GPS-Daten gemessene Fluchtdistanz der Tiere betrug in dem Versuch des skandinavischen Forschungsteams 900 Meter.

Patrick Boncourt, Bärenexperte im Tierschutzzentrum Weidefeld des Deutschen Tierschutzbundes, schätzt die Situation in Alaska so ein: “Ich gehe nicht davon aus, dass es die primäre Motivation des Bären war, den Mann anzugreifen und zu töten. Ich glaube tatsächlich, dass dieser Bär den Mann als Eindringling wahrgenommen hat. Der Grizzlybär wollte ihm mit seinem Verhalten klar machen: Du gehörst hier nicht her.”

Grizzly sah den Mann vermutlich als Eindringling

Vielleicht sei es eine Bärin gewesen, die ihre Jungen beschützen wollte, so Boncourt. “Im Januar bringen Bärinnen ihren Nachwuchs zur Welt. Genau jetzt, im Juni/Juli bringen sie ihren Jungen das richtige Verhalten in der Natur bei. Wenn der Mann sich im Territorium des Bären und dazu noch in der Nähe von Jungtieren aufgehalten hat, könnte das Muttertier ihn als Bedrohung eingestuft haben.”

Der Blick in die Seele

Das würde auch die Hartnäckigkeit des Bären erklären. Vielleicht befand sich der Bau mit den Jungtieren ganz in der Nähe der alten Bergbauhütte, ohne dass der Mann dies geahnt hätte. Bären sind ausgeprochen intelligente Tiere und gehen beim Bau ihrer Höhlen sehr klug vor. So nutzen die Tiere zum Beispiel Baumwurzeln und andere bauliche Gegebenheiten, um den Eingang der Höhle entsprechend abzustützen.

Befindet sich unter den Gebäuden der leerstehenden Bergbau-Siedlung befestigter Boden, könnte das Tier diesen Zustand für den Bau seiner Höhle genutzt haben. Ohne es zu wissen, hätte sich der Mann also in das direkte Territorium des Bären begeben, vermutet Boncourt.

Nahrung könnte den Bären angelockt haben

Dass der Bär den Mann fressen wollte, hält der Verhaltensbiologe hingegen für äußerst unwahrscheinlich. Ein Bär ernährt sich zu 80 Prozent von vegetarischen Bestandteilen. Wenn ein Bär Fleisch frisst, dann frisst er vornehmlich Aas. Die Prämisse lautet stets: Wenig Aufwand, möglichst viele Kalorien.

Es könnte aber Lebensmittelvorräte in der Hütte gegeben haben. “Wenn sich irgendwo Nahrung in der Hütte befand, könnte der Bär das gerochen haben. Selbst wenn der Mann selbst davon gar nichts gewusst hat. Bären können extrem gut riechen, viel besser als Hunde. Wenn irgendwo ein Stück Schinken liegt, riecht ein Bär das noch in 20 Kilometern Entfernung”, erklärt Boncourt.

Am besten zügig den Ort verlassen und Krach machen

Was hätte der Mann in dieser Situation also am besten tun sollen? In der Hütte ausharren? Wegrennen oder sich klammheimlich in der Nacht wegschleichen?

“Vor einem Bären wegzulaufen kann man vergessen. Ein Bär kann bis zu 60 Kilometer pro Stunde schnell werden”, so Patrick Boncourt. “Wenn der Mann noch ausreichend mobil gewesen ist, wäre es das klügste gewesen, früh morgens mit lauten Geräuschen zügig die Hütte zu verlassen und dann eine möglichst große Strecke hinter sich zu bringen. Ein Bärenterritorium kann mehrere Quadratkilometer groß sein. Daher sollte man mindestens 25 bis 30 Kilometer zurücklegen.”

Pauschal ließe sich das jedoch nicht sagen, da Bären die Größe ihres Territoriums immer nach dem Nahrungsangebot richten. Je mehr Nahrung es gibt, desto kleiner ist das Territorium. In Regionen wie der Tundra oder Taiga Nordamerikas, wo das Nahrungsangebot eher klein ist, könne ein Bär schon mal ein Gebiet mit der Größe von 25.000 Quadratkilometern in Anspruch nehmen.

Nicht jedes Geräusch eignet sich allerdings, um Bären auf Abstand zu halten. Ein Glöckchen sei zum Beispiel keine gute Idee. “Einige Bären sind mittlerweile fehlgeprägt und assoziieren das Klingeln eines Glöckchens mit Schaf- und Ziegenherden”, erläutert der Bärenexperte. Das locke Bären also eher an anstatt sie zu vertreiben. Stattdessen sollte man lieber laut singend oder mit einem aufgedrehten Radio loslaufen.

Nachrichtenquelle: geo.de

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